10.5.2009 - 31.12.2009

d a s p r o j e k t
"kevin und julia"
"In jüngster Zeit" sagt Susan Sontag "ist das Fotografieren ein
ebenso weitverbreiteter Zeitvertreib geworden wie Sex oder
Tanzen - was bedeutet, dass die Fotografie wie jede
Form von Massenkunst, von den meisten Leuten nicht als Kunst
betrieben wird. " (1) Von inhaltlicher Tiefe weiter entfernt denn
je, hat sich die Fotografie damit von Ansprüchen gelöst, die ihr
am Anfang ihres Weges mitgegeben schienen.
Ihre neue Geschwindigkeit ist das absolut Schicke, die Nebensächlichkeit,
die ihr anhaftet; keine grossen Kameras mehr, keine Einstellungen, kein Entwicklungsprozess...
mit einer Handbewegung ist abgebildet und veröffentlicht.
Wahrheit, die nach Henry Miller "meist am Rande und nicht in der Mitte liegt" (2), ist nicht
von Interesse, denn Fotografie ist eine Umgangsform geworden. Features,
die Kameras erst auslösen lassen, wenn sie ein Lächeln erkennen - haben, wie viele andere
technische Neuheiten, weniger mit ästhetischen Motiven zu tun, als mit neuer Etikette.
Julia und Kevins Fotos, sicher nicht ganz aus dieser Thematik zu lösen, fallen in einer
bestimmten Eigenart aus diesem Schema:
Sie haben eine fast naive Ehrlichkeit, sie schonen sich nicht und sie sind von ausserordentlicher
erotischer Qualität.
So merkantil Upload your kisses damit nun auch auftritt, ist es doch eine im besten Sinn
"volkstümliche" Erzählung, einerseits wie ein Stamm, in den man den Namen der Geliebten
schnitzt, oder wie ein Liebesbrief, der die Zeit überdauern soll - und andererseits, in der Kunst
interessiert dieser Aspekt, ein Prozess, der das Foto aus seinem privaten Feld löst, über die
Zeit in den Kontext der Ausstellung Intimität einarbeitet.
Aus einer zufälligen Sammlung wird eine Auswahl, ein Werk und dieses Werk hat keinen
Schöpfer - ist bei Julia und Kevins doch weder ein Fotograf anwesend, noch führt jemand Regie.
"the project" stellt damit ein Kunstverständnis in Frage, das ausschliesslich auf die Person und
Biographie eines Künstlers ausgerichtet ist.
Welche Dämme aber brechen, welcher Anspruch entsteht - das entscheidet jedes Paar das seine
Küsse schickt.
Das Publikum lässt sich überraschen.
t h e p r o j e c t
"kevin and juliet"
Photography has recently become as popular as sex or dancing, this means that it is being treated
just like any other mass phenomenon and not as an art.” (Susan Sontag) (1)
It has become an incredibly shallow endeavour and has removed itself from exigencies which it
seemed to possess at the very beginning.
Its new speed is indeed very chic; no more large cameras, adjusting, processing…with just one
simple motion of the hand „reality“can be depicted and published.
Reality, which according to Henry Miller usually lies at the edge and not in the middle (2), is of
no interest, as photography has become a way of life.
Features which permit a camera to be triggered as soon as a smile is detected are technical
novelties which have very little to do with esthetic motives, they are simply etiquette.
Julia‘s and Kevins‘ photos are most certainly related to this topic but also slightly fall out of this
category: they possess an almost naïve sincerity, do not spare themselves and have a
sublime erotic quality.
However marketed Upload your kisses may seem, it is also a „traditional“narrative; on the
one hand it is like a tree in which you carve your lover’s name or a love letter which is bound
to eternity.
One the other hand we are also interested in that aspect or process which removes photos
from their private context and slowly weaves them into our exhibition.
A random collection turns into a selection and a piece of art without a creator – no photographer
or director was present during the making of Julia’s and Kevin’s photos.
“The project” thus questions a certain way of perceiving art in which solely the biography of
the artist matters. The couples which send their kisses will be the ones to determine the
demands to be made.
The viewers will have to let themselves be surprised.