Jasmin de Silva´s "Inward"

   "Intimität," sagt Jasmin de Silva "kann man so nicht darstellen."
Und meint mit "so" die eindimensionale Welt des Bildes.
Denn Geruch und das Be-Greifbare, und die Töne gehören in weit
größerem Ausmass dazu, sind zumal in der Beziehung zu Anderen eben
nicht auf, und gerade nicht: Wohlgeruch, Sanftes, Wohltönendes beschränkt.  
In einerseits völlig selbstverständlicher, und andererseits auf wieder
vollkommen radikale Art, ist dieses Umfassende, das sie in der Intimität
begreift: Der Schweiß, das Blut, der Schmutz des Tages; die Wunde und
in gleicher Art das eigene Regelblut, oder die Behaarung, die sich beharrlich
nicht nach irgendetwas richten will.
Jasmin de Silva ist in Sri Lanka geboren. Interessiert man sich für ihre Stadt, ist es durch die Webcam ein Blick ins
Paradies. Eine malerische, an die Küste geschmiegte Ansiedlung...Meer, Gischt über den Wogen und ein weiter Blick.
Neben einer zierlichen Inderin und einer grossgewachsenen Schwedin mit Alabasterteint ist Jasmim die Dritte im
Dreimäderlhaus ihrer Familie. Der Vater auf Sri Lanka verunglückt, von der hilflosen Mutter unbehütet, in
Wohngemeinschaften aufgewachsen, ist sie von Anfang an eine Wienerin gewesen.
Ob sie Künstlerin ist, oder wo der Unterschiedl liegt zwischen Selbsttrost, Gestaltungslust und dem, was man Kunst
nennt, fragt sie sich selbst manchmal. Gemeinhin sagt sie nein.
Als ich sie kennenlernte, wollte sie in der Wüste Brunnen schlagen. Führte sie ihr Studium jetzt auch in eine andere
Richtung, ist es in der Kunst so geblieben: Dass sie nach langen, brachen Zeiten Brunnen gräbt, damit es
wächst in der Wüste, oder die Blume aus dem Totholz spriesst...
Aus schwierigster Situation einen Platz ins Leben kämpfen berührt. Wenn es so arglos und direkt gestaltet wird,
wie aus der Hand eines Kindes, dann erschliesst sich mit dieser innere Raum, den wir in der Ausstellung
Intimität nennen -
Vergessen, verwechseln, täuschen aber wird man sich nicht: Wie sehr diese Welt gleichzeitig verschlossen ist und
entfernt, das ist ihr unmittelbar mitgegeben.
Die Form, die Mittel, die Einfälle, die Jasmin de Silva aus dem Ärmel schüttelt, sind unbelastet gewählt.
In unseren Beiträgen sind es mit Handy- und Webcam aufgenommene Bilder. Hauptsächlich sonst
drückt sie sich mit Zeichnungen aus.
INWARDS

  “You cannot depict intimacy like that” said Jasmin de Silva…she was referring to the
one-dimensional world of pictures. Smell, tangible objects and sounds however are
integral parts of intimacy and do not limit themselves to pleasant scents, softness
and harmonious sounds, especially in relations with other people.
This is what comprises intimacy in her authentic but somewhat radical approach:
sweat, blood, the daily amount of dirt, wounds; one’s own menstruational blood
or body hair which strives against control.
  Jasmin de Silva was born in Sri Lanka. If you are interested in her hometown and wish
to catch a glimpse of it through a webcam, it will seem like paradise. Picturesque and
snuggled up against the coast, the view reaches out far towards the horizon.
Jasmin lived with her sisters, a petite "Indian" and a tall Swedish woman with an
alabaster skin in the house of her parents. Her father died in an accident in Sri Lanka,
her helpless mother was not able to protect her and she spent much of her childhood
in house shares. She always was a Viennese from the very beginning.
Even she sometimes asks herself if she really is an artist and where the difference between self-consolation,
creative desire and that what is termed art lies. She generally answers no.
As I got to know her, she wanted to help build wells in the desert.
Although her studies led her in a different direction, her situation with art remains such that even after long
fruitless periods, she is still able to build wells so that flowers begin to blossom in the desert.
It is always touching to see somebody fighting for their place in life. If that is done in such an innocent and direct
fashion as in Jasmin de Silva’s art, an inner space is created that we in our exhibition call “intimacy” – Forget,
confuse, but you will not be deceived, about how this world is closed but also so distant.
The shapes, means and ideas, which Jasmin de Silva seems to conjure effortlessly, were chosen freely. Her two
contributions to our exhibition are images, which were recorded with mobile phones and webcams. She
mostly draws herself. 
Jasmin de Silva: "Mouse over 1-3", 2008, mobile phone pics; "Inward" , 2008 Zeichnung, Buntstift auf Karton,
Text: D.Steiner, Übersetzung ins Englische: Lara Pitterich